Kleingärten bieten Raum für Ruhe und Erholung. Gerade für Kinder, die auf der Flucht waren, können sie ein Rückzugsort sein und zur gelungen Integration beitragen. Wie das funktioniert, zeigt sich in der Kleingartenanlage Forstlach in Karlsruhe-Weiherfeld.
Übernahme eines Berichts aus dem Kleingartenmagazin der Kleingartenanlage Forstlach.
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Buntgefärbte Kinderhände, ein Tisch voll bemalter Papierbögen, ringsherum Obststräucher, Bäume und eine kleine Gartenlaube – in der Kleingartenanlage Forstlach e. V. im Stadtteil Karlsruhe-Weiherfeld trifft sich seit Oktober 2015 regelmäßig ein Spielkreis aus syrischen, afghanischen und mazedonischen Flüchtlingskindern, um gemeinsam die Natur zu entdecken und die deutsche Sprache zu lernen. Ins Leben gerufen wurde das Projekt von Daniela Hamm-
Kleinfeld, Naturpädagogin, Erzieherin und Kleingartenpächterin. „Auf dem Weg zur Arbeit konnte ich täglich den Bau
der Gemeinschaftsunterkunft in Berghausen beobachten. Als die ersten Flüchtlinge Anfang Oktober 2015 einzogen, befanden sich darunter überwiegend Familien. Durch meinen Beruf als Erzieherin, stand schnell fest: Ich möchte mich um die Kinder kümmern und die Eltern zeitlich entlasten“, erinnert sich Daniela Hamm-Kleinfeld.
Seitdem betreut die gelernte Erzieherin rund 25 Flüchtlingskinder im Alter von 2 bis 12 Jahren zwei Mal die Woche eh-
renamtlich in einem angeleiteten Spielkreis – inklusive regelmäßiger Ausflüge in die Kleingartenanlage Forstlach. Alfred
Lüthin, Vorsizender im Verband der Kleingärtern Baden- Württemberg, spricht sich für dieses Engagement
aus: „Der Kleingarten gibt den Kinder die Möglichkeit, die traumatisierende Erlebnisse und Geschehnisse ihrer Flucht zu verarbeiten. Sie können mehr Ruhe und Normalität erleben. Das macht solche Projekte so besonders.“
Neue Welten entdecken
In der Gemeinschaftsunterkunft Berghausen stand dem Spielkreis nur ein kleines Ehrenamtszimmer zur Verfügung.
„Weil so aber kein sinnvolles Vermitteln meiner Lieder, Fingerspiele und Bilderbücher möglich war, kam mir
die Idee mit den Kindern in meinen Kleingarten in Karlsruhe-Weiherfeld zu fahren. Die Fahrten werden durch Fördergelder der Gemeinde und Spenden ermöglicht.“, so Daniela Hamm-Kleinfeld. Unter Anleitung eines deutsch-syrischenBetreuerteams wird in der Kleingartenanlage Forstlach nun regelmäßig gemalt und gebastelt, werden Lieder
gesungen und Geschichten erzählt. Die gemeinsame Zubereitung gesunder Gerichte wie beispielsweise einer Vesper,
Obstsalat oder Apfelmus runden das Programm ab.„Die Kinder kommen aus sehr einfachen und beengten
Unterkünften. Der Garten und angrenzende Wald sind für sie ein riesiger Abenteuerspielplatz. Dort können sie sich
verstecken, klettern, experimentieren, haben die Möglichkeit die Natur kennenzulernen und kreativ zu sein. Für die
größeren Kinder bedeuten die Ausflüge in den Garten auch Abstand von den Problemen in der Familie und ein
Eintauchen in eine ‚heile Welt‘, wenigstens für ein paar Stunden. Und ganz nebenbei lernen die Kinder die deutsche
Sprache“, erzählt die Erzieherin. Spielerisch deutsch lernen snip_20161021104200
Die Sprache während der Ausflüge ist ausschließlich deutsch. Mit Ritualen, wie einem immer gleichen Begrüßungslied,
einer Handpuppe, einer Vielzahl an Fingerspielen und Reimen sollen die Kinder den Garten erleben. Es findet ein unmittelbares Lernen in und mit der Natur statt, bei dem die deutsche Sprache spielerisch im gemeinsamen
Tun vermittelt wird. Daniela Hamm-Kleinfeld ist überzeugt:„Nur durch den Erwerb der Landessprache, kann
man mit anderen Mitmenschen in Kontakt kommen, Freundschaften aufbauen sowie selbstbewusster und selbständiger
an dem Leben im neuen Heimatland teilnehmen. Genau das will ich den Kindern vermitteln.“ Nebenbei werden die Kinder dafür sensibilisiert, sorgsam mit der Natur umzugehen und nehmen sie mit allen Sinnen wahr. Was das bedeutet, weiß auch Alfred Lüthin: „Gerade für Kinder aus anderen Ländern bieten solche Ausflüge in den Kleingarten die Möglichkeit, sich in der Natur mit dem neuen Land auseinanderzusetzen. Denn auch das ist Integration: einheimische Pflanzen und Tiere kennenzulernen und so in Kontakt mit der anderen Kultur zu kommen.“ Mittlerweile zeigen die Ausflüge in die
Kleingartenanalage auch schon erste Erfolge bei den Flüchtlingskindern – die deutsche Sprache wird immer
besser: „Wenn man bedenkt, dass die Kinder im Oktober 2015 keinerlei Deutschkenntnisse besaßen, klingen mir
jetzt immer flüssiger die Begrüßungs- und Abschiedslieder entgegen und auch die Dialoge mit unserer Handpuppe
‚Pünktchen dem Marienkäfer‘ gelingen schon sehr gut“, so Daniela Hamm-Kleinfeld. Herzlich miteinander umgehen
Ein besonderes Anliegen war es Daniela Hamm-Kleinfeld in diesem Sommer speziell für die 7- bis 13-jährigen Mädchen
der Gemeinschaftsunterkunft Berghausen ein eigenes Projekt anzubieten. Materialien wie Fingerfarben, große
Papierbögen, Ton, Gipsbinden und Naturmaterialien luden zum kreativen Gestalten in ihrem Kleingarten ein. Wasserspiele
und Eis sorgten für eine kühle Erfrischung bei den hochsommerlichen Temperaturen.
Ausflüge wie diese und das abwechslungsreiche Angebot im Kleingarten nehmen die Kinder mit großer Begeisterung
an: „Von den Kindern erhalte ich viele selbstgemalte Bilder oder selbstgepflückte Wiesenblumen. Sie teilen
auch sehr gerne ihre mitgebrachten Süßigkeiten mit mir. Am Ende des Tages setzen wir die Kinder immer glücklich
und zufrieden mit einer Menge neuer Erfahrungen und Eindrücke in der Unterkunft ab“, so die Erzieherin. Und
auch die Eltern der Flüchtlingskinder freuen sich über die Unterstützung: „Ein Vater aus Afghanistan bot mir bereits
an, als ‚Dankeschön‘ meine Gartenhütte zu streichen. Außerdem laden mich die Eltern regelmäßig im Anschluss
an die Ausflüge zu traditionellen Speisen auf ihren Zimmern ein“, erzählt Daniela Hamm-Kleinfeld. Innerhalb der

Gemeinschaft des Kleingartenvereins Forstlach werden die Besucher der Flüchtlingskindern begrüßt.

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Der Vorstand unterstützt die Naturpädagogin durch Berichtein Stadtteilanzeiger und von vielen Gartennachbarn gibt
es Sachspenden wie Malstifte, Papier, Bilderbücher, Spielzeug oder auch ausrangierte Kinderkleidung. Alfred Lüthin
ist überzeugt: „Kleingärtenvereine sind ein gutes Beispiel, um zu zeigen, wie Integration funktionieren kann. Verschiedenste
Kulturen treffen hier aufeinander. Der tolerante Umgang und das ‚Miteinander Reden‘ innerhalb der Gemeinschaft
sind der Schlüssel zum Erfolg. Daher begrüßen wir solche Projekte und bieten jederzeit unsere Unterstützung
an“. In den Herbstferien ist nun eine erste gemeinsame Aktion deutscher und ausländischer Kinder geplant –
ein Herbstfest, das miteinander vorbereitet und gefeiert werden soll. „Dabei können die Kinder gemeinsam spielen
und sich unterhalten. Durch solche Aktionen können Ängste und Vorurteile abgebaut werden. Eine Offenheit
zwischen den unterschiedlichen Nationalitäten
„Flüchtlingskinder in der Kleingartenanlage Forstlach“

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