In Pfinztal passiert gerade Außergewöhnliches: Am frühen Morgen des 26.Oktober haben sich 11 Frauen mit ihren Kindern auf den Weg zur Volkshochschule Kalsruhe gemacht, um ihre B1-Prüfung zu absolvieren – hochgradig nervös. Schließlich soll ihnen diese Prüfung auch amtlich bescheinigen, daß sie sich auf einfache Weise auf Deutsch verständigen können.

Der B1-Sprachkurs ist zentraler Teil der Integrationskurse für Geflüchtete. Eigentlich ist das nichts Besonderes. Das Besondere in Pfinztal: Er wird speziell für Mütter mit kleinen Kindern angeboten, d.h. die Kinderbetreuung gehört zum Kurs dazu und wird auch vom BAMF bezahlt. Deshalb gibt es neben der Sprachlehrerin Dagmar Elsenbusch auch drei Betreuerinnen für 11 kleine Kinder – einschließlich einem Säugling. Besonders ist auch, daß der Kurs in Pfinztal-Berghausen stattfindet, also am Wohnort der Teilnehmerinnen, und nicht wie die anderen Kurse in Karlsruhe, verbunden mit langen Fahrzeiten.

Vor 2 Jahren hatten die Frauen mit den Sprachkursen angefangen, A1 und A2 bestanden, obwohl viele zu Beginn nur die arabiscche Schrift kannten, nicht aber unsere Buchstaben-Schrift. B1 ist eine große Hürde für sie. Deshalb hatte die Kursleiterin Dagmar Elsenbusch das Lerntempo in den letzten Wochen auch ziemlich angezogen. Schließlich hängt von den bestandenen B-Prüfungen ab, ob sie vom Jobcenter überhaupt in eine Ausbildung oder einen Beruf vermittelt werden können.

B1 ist ein Schlüssel-Zertifikat, obwohl die meisten Frauen sich mittlerweile auch so schon ganz gut auf Deutsch verständigen können, selbständig Behörden- und Arztgänge machen, Elternabende besuchen. Schließlich müssen sie hier nach ihre Flucht ihr Leben komplett neu aufbauen und leisten dabei Erstaunliches – mit Kindern und Familie. Deshalb betont Dagmar Elsenbusch auch sehr nachdrücklich: „Egal wie diese Prüfung ausgeht, ob bestanden oder nicht bestanden, allein dieses Ergebnis – nämlich selbstständig in einem fremden Land handeln zu können und sich zurecht zu finden, ist wichtig. In dieses Ergebnis haben die Frauen viel Arbeit und Herzblut gesteckt. Dafür gebührt ihnen unser Respekt.“

Die Prüfung selbst dauert mehrere Stunden. Sie beginnt mit dem schriftlichen Teil: auf Deutsch lesen und schreiben, Texte verstehen, darunter recht komplizierte, Texte schriftlich interpretieren. Dann eine kurze Mittagspause. Danach die mündliche Prüfung: sich vorstellen, über eigene Erfahrungen sprechen und gemeinsam mit dem Prüfungspartner etwas planen, zum Beispiel einen Kursausflug, eine Party, einen Umzug, usw.

Die Ergebnisse der Prüfung wird es frühestens im Dezember geben. Einige werden voraussichtlich bestehen, andere nicht, das zeigt die Erfahrung. Im Bundesdurchschnitt besteht nur jede(r ) zweite die B-1 Prüfung im ersten Anlauf. Deshalb geht Dagmar Elsenbusch auch davon aus, daß sich der Sprachkurs teilt in B1-Wiederholer und B2-Teilnehmer. Sie hofft, daß das Beispiel Pfinztal Schule macht, denn bisher ist es ziemlich einmalig in Baden-Württemberg. Sie hofft auch, daß in Pfinztal noch weitere Kurse dieser Art stattfinden können, denn mittlerweile seien sowohl das Jobcenter wie auch die Ausländerbehörde vom Modell des Mütterkurses in Pfinztal angetan und würden eine Fortsetzung befürworten.

Kinder, Küche, B1

Beitragsnavigation


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Translate »